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Präzision und Schwung als klingende Trümpfe

Das Neujahrskonzert des Landkreises Südliche Weinstraße mit dem Kreisjugendorchester unter Dietmar Wiedmann

Zum Neujahrskonzert 2007 des Landkreises Südliche Weinstraße hatte die Landrätin Theresia Riedmaier bereits zum zehnten Mal ins Haus des Gastes Bad Bergzabern eingeladen, aber bereits das 20-jährige Jubiläum bei diesem Anlass war es für das Kreisjugendorchester unter Dietmar Wiedmann, das seine „Klasse“ erneut mit einem ebenso anspruchsvollen wie zündenden Programm bewies und das volle Haus begeisterte.

Von Richard Strauss, dem Opernkomponisten, bis zum Walzerkönig Johann Strauß reichte das Programm, schloss den grandiosen Amerikaner Leonard Bernstein sowie den Schöpfer nationalrussischer Musik Modest Musorgski ein. Die etwa 55 Musikerinnen und Musiker des sinfonischen Blasorchesters waren hundertprozentig auf ihren ebenso lebendig wie genau und bestimmend agierenden Dirigenten eingeschworen, folgten jedem Wink, bewiesen ihre hervorragende Musikalität, ihr blastechnisches Können mit eindrucksvollen und farbigen Klangkombinationen, mit Rhythmus und Schwung. Sicher, es gab manche Unebenheiten, aber wer will dies einem Laien-Jugendorchester, das nur begrenzte Probenzeit hat, verdenken.

Gleich in den beiden ersten Stücken setzten sie den typischen Sound gut gegeneinander ab, in „Festmusik für die Staat Wien“ wurde im strömend melodischen Teil der unverwechselbare Bläserklang eines Richard Strauss durchaus deutlich; danach dann die rhythmisch und harmonisch aufgeraute Moderne in der Ouvertüre zum Musical „Candide“ eines Leonard Bernstein, dem Komponisten des Welterfolgs der „Westside Story“. Als Überleitung zur Ansprache der Landrätin erzählten vier Lieder die Geschichte eines Seemannes und seiner Liebe. Diese englischen Volkslieder, gesammelt von Percy Aldridge Grainger, erklangen in einer farbigen und eindringlichen Instrumentation, in der korrespondierende Instrumentengruppen, weich-voller Gesang und feingliedrig tänzerische Natürlichkeit wechselten.

Mit dem genialen Zyklus „Bilder einer Ausstellung“ von Musorgski (im Original für Klavier) hatte der Dirigent die Messlatte wahrlich hoch gelegt, und man muss das Ergebnis bewundern. Nach der virtuosen Orchesterfassung von Maurice Ravel hatte Mark Hindsley die Partitur eingerichtet. Die Bildinhalte wurden charaktertypisch ausgeleuchtet, wobei sich einzelne Instrumente solistisch sicher bewährten. Da erstanden die grotesken Verrenkungen des „Gnomus“, das nachtdunkle „Alte Schloss“, das spielerische Kreisen in „Tuileries“, das Hüpfen und Quaken der „Küken“ oder das erfrischende Palaver der „Marktfrauen“ und die düstere Schwere der „Katakomben“ in plastischer Zeichnung. Das mächtige „Tor von Kiew“ am Schluss löste in seiner wuchtigen Geschlossenheit brausenden Beifall aus.

Was könnte ein Neujahrskonzert besser beschließen als die Ouvertüre zur Operette aller Operetten, der „Fledermaus“. Präzision und Schwung waren Trumpf auf der Bühne, tosende Begeisterung im Saal.

Rheinpfalz, 15. Januar 2007