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10. März 2018: Tag der offenen Tür Kreis-Musikschule SÜW

Der Jahreswechsel in Musik

Zum 20. Mal bestritt am Freitag im Haus des Gastes in Bad Bergzabern das Kreisjugendorchester das Neujahrskonzert des Landkreises Südliche Weinstraße, der im Frühjahr 40 Jahre alt wird. Im Rahmen des begeistert aufgenommenen Abends war auch eine Uraufführung zu erleben.

Neujahrskonzerte sind Höhepunkte und beliebte Besuchermagnete politischer Veranstaltungen zum Jahreswechsel. So auch im Landkreis Südliche Weinstraße, der, wie Landrätin Theresia Riedmaier beim traditionellen Neujahrsempfang im Haus des Gastes stolz verkündete, im Juni seinen 40. Geburtstag feiert. Dass am Freitag Dietmar Wiedmann zum 20. Mal mit dem Kreisjugendorchester den musikalischen Rahmen gestaltete, nahm das sinfonische Blasorchester zum Anlass, bei dem Landauer Komponisten Tim Sprenger eine dem Anlass angemessene Auftragsarbeit zu bestellen: „The turn of the year“ (Der Jahreswechsel) erntete nach der Uraufführung am Freitagabend großen Beifall. Ebenso Thomas Zell und Sergej Woronow für die begeisternde Vorstellung des Euphoniums und der Klarinette in Solopartien anspruchsvoller Orchesterwerke.

Einen harmonischen Gesamtklang rief auch beim diesjährigen Neujahrskonzert das von Dietmar Wiedmann geleitete Kreisjugendorchester der Südlichen Weinstraße hervor. (Foto: Thüring)

Einen harmonischen Gesamtklang rief auch beim diesjährigen Neujahrskonzert das von Dietmar Wiedmann geleitete Kreisjugendorchester der Südlichen Weinstraße hervor. (Foto: Thüring)

Balladenhaft begannen mit Tim Sprenger selbst am Clavinova die Vorbereitungen auf den Jahreswechsel. Dem Tastentanz des Komponisten folgten die einzelnen Register bis schließlich eine bunte Silvesterfeier in die Neujahrsnacht galoppierte. Im geschäftigen fröhlichen Durcheinander demonstrierten die Schlagwerker im hölzernen tick-tack Rhythmus, wie die Zeit die Menschen weitertreibt und unaufhaltbare Vergänglichkeit. Nach dem zwölfmaligen Glockenschlag knallte zur ausgelassenen Champagnerstimmung ein echter Sektkorken und zu den musikalischen Luftschlangen schwebten auch „echte“ aus Papier über das Orchester. Hatten zuvor die Holzbläser für melancholische Erinnerungen und das tiefe Blech an unheimliche Vorahnungen und mystische Momente erinnert, so folgte dem nächtlichen Treiben auf der Basis dreier Tuben eine angemessene Katerstimmung, bevor das Orchester mit einem majestätischen Sonnenaufgang durch einen mit dem Beckenschlag sich weitenden Klangbildes die Herzen öffnete für die vielen Überraschungen eines neuen Jahres.

Doch nicht nur das Auftragswerk berührte das Publikum: Mit dem Solisten Sergej Woronow, der das Spiel auf dem schwarzen Holzblasinstrument mit dem näselnden Rohrblattklang an der Kreismusikschule lehrt, formulierte das Kreisjugendorchester das Concertino op. 26 für Klarinette und Orchester von Carl Maria von Weber zu einem Gänsehaut erregenden Erlebnis bläserischer Gestaltungskunst. Während der zehn Minuten dauernden Präsentation traumhaft farbenreicher Tongemälde hätte man im überfüllten Saal die berüchtigte Stecknadel fallen hören, so konzentriert verfolgte das geneigte Publikum die Zungenakrobatik des Solisten, der den weichen changierenden Klang der Klarinette mit ungewöhnlich weiter Dynamik fast wie schwerelos über die Zuhörer schweben ließ.

Auch mit der Interpretation der „Rhapsody for Euphonium“ bewies das Jugendblasorchester die Berechtigung des Prädikates „sinfonisch“. Thomas Zell servierte als Solist seinem Publikum das „Wohlklingende“ Blech als „Cello“ der Blasmusik nach dem zeitgenössischen Komponisten James Curnow als wahren Ohrenschmaus.

Mit zwei Werken des 1959 in den Niederlanden geborenen Komponistenjacob de Haan konnte das Kreisjugendorchester die Freude am Klangbilder Malen ausleben, ln der musikalischen Darstellung des Staates „Virginia“ beeindruckten besonders die hellen Blech-Fanfaren im amerikanischen Bürgerkrieg im Kontrast zur bluesigen Melancholie der Sklaven auf den Feldern.

Beweglichkeit in der Interpretation und technisches Können bewies das vorwiegend jugendliche Ensemble mit vier jüdischen Tänzen zum Abschluss. Scheinbar mühelos wechselten die Bläser in die für westliche Ohren ungewöhnlichen Tonabstände und meisterten bravourös die ständigen Taktwechsel der Orientalischen Musik in Jan van der Roosts Komposition „Rikudim“. Als ausgerechnet im melancholisch, holzbläser betonten ruhigen Satz im Schlagwerkrefugium ein Becken abstürzte, bewiesen Leiter und Orchester Professionalität, indem auch ein kurzer Moment der Erheiterung im Publikum die gefühlvolle Präsentation nicht beeinflusste.

Wie immer hatte sich das Orchester auf einer mehrtägigen Probenfreizeit auf das Neujahrskonzert vorbereitet. Das dabei sich entwickelnde Gemeinschaftsgefühl in einer bunten Schar von Schülern und Lehrern der Kreismusikschule, sowie Ehemaligen, spiegelte sich auch in diesem Jahr im harmonischen Gesamtklang wider, der nicht nur bei den Ausführenden den Spaß an sinfonischer Blasmusik weckt und fördert. Das begeisterte Publikum bedankte sich mit frenetischem Applaus und honorierte stehend die Leistung des Orchesters.

(srs) Die Rheinpfalz, 12. Januar 2009