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10. März 2018: Tag der offenen Tür Kreis-Musikschule SÜW

Wenn der Taktstock zum Zauberstab wird

Kreisjugendorchester Südliche Weinstraße probt mit Feuereifer fürs Jubiläumskonzert zum 25-jährigen Bestehen

Orchestrale Klänge dringen aus der Gymnastikhalle des Staufer-Schulzentrums Annweiler. Die Proben fürs Jubiläumskonzert zum 25-jährigen Bestehen des Kreisjugendorchesters Südliche Weinstraße laufen auf vollen Touren. Um die 30 Mitglieder sind am vergangenen Samstag zur Probe gekommen, die sich in zwei Teilen praktisch über den ganzen Tag erstreckt.

 Nachmittags haben sie „Nostradamus“ von Otto M. Schwarz auf den Notenpulten vor sich liegen. Das Werk ist eine Zierde im Repertoire eines sinfonischen Blasorchesters. Und als solches möchten sich die jungen Instrumentalisten im Alter zwischen 14 und 25 Jahren unter Leitung von Dietmar Wiedmann, der das Orchester seit seiner Gründung im Jahr 1987 dirigiert, beim Jubiläumskonzert Ende September im Hohenstaufensaal Annweiler präsentieren.

 Dabei werden zwei Gast-Solisten mit von der Partie sein: nämlich Silke Aichhorn (Harfe), die am gleichen Tag vormittags eine Matinee gestaltet, und Andreas Hofmeir (Tuba). Aber auch in den eigenen Reihen hat das Kreisjugendorchester eine Reihe an Solisten, darunter auch einige Preisträger beim Jugend-musiziert-Bundeswettbewerb.

 Dietmar Wiedmann weiß, wie man junge Instrumentalisten zu soliden Leistungen motiviert. Immer wieder unterbricht er, zerlegt Passagen in ihre Bestandteile in den einzelnen Registern, die er dann wieder zusammenfügt. Messerscharfe Einsätze im hohen Blech zu Beginn wechseln sich später mit geradezu lyrischen Themen in den Holzbläsern, untermauert von satten „Pfundsnoten“ im tiefen Blech.

 „Machen wir noch mal ab Takt 99 bitte“, sagt Wiedmann. Fast scheint es, als würde sein Taktstock zu einem Zauberstab, mit dem er wie ein Magier ein Ritardando in die Achtelläufe der Klarinetten-Sektion zaubert, die in eine Fermate münden.

 Der geradezu lyrisch-poetische Part führt in einen schnellen Dreiviertel-Takt, der dem tiefen Blech und dem Schlagwerk synchrone Rhythmik abverlangt. Das Werk fordert einiges von dem Orchester, aber Wiedmanns „Eleven“ sind mit Konzentration bei der Sache, meistern auch die gegenrhythmischen Passagen in der spannungsgeladenen Komposition.

 An Details wird kräftig gefeilt und poliert: „Es fehlt mir noch ein bisschen die Energie, und die kriegen wir nicht durch Lautstärke“, mahnt Wiedmann, dessen Ohren auch keine „verwaschenen“ Sechzehntel entgehen. Seine „Regieanweisungen“ fallen auf fruchtbaren Boden und werden in die Tat umgesetzt – Kleckern ist anderswo.

 Wie ein sinfonisches Opus mutet auch „The Witch And The Saint“ aus der Feder von Steven Reineke an. Ein Hauch „Carmina Burana“ weht durch die Gymnastikhalle. Abrupte Takt- und Tempowechsel sorgen für Dramatik, hinter jedem Melodiebogen lauert eine überraschende Wendung, die ein Weghören schier unmöglich macht.

 „Es fehlen heute drei Schlagzeuger“, bekennt Wiedmann zwischendurch. Aufgefallen sind die Lücken in der Schlagwerk-Sektion bis dahin nicht wirklich. Erst als das Orchester sich bei „Die glorreichen Sieben“ Filmmusik von Elmer Bernstein widmet, tut sich in der Rhythmus-Gruppe ein kleines Loch auf. „Dafür gibt’s In 14 Tagen eine Schlagzeuger-Satzprobe“, kündigt Wiedmann an.

 Engagement ist im Kreisjugendorchester nicht nur in den Proben angesagt. Hochgekrempelte Ärmel waren auch beim Herrichten der Gymnastikhalle des Staufer-Schulzentrums gefragt, wo man seit vergangenem Schuljahr probt, nachdem das Orchester sein früheres Proben-Domizil am Edenkobener Gymnasium wegen gestiegener Schülerzahlen räumen musste.

 Und so ist es nur logisch, dass das Kreisjugendorchester sein 25-jähriges Bestehen nicht nur mit einem Jubiläumskonzert, sondern zuvor auch bei einem Sommerfest mit Tag der offenen Tür feiert – und sich dabei als ein Orchester präsentieren dürfte, das nicht nur in musikalischer Hinsicht angekommen zu sein scheint.

Matthias Ester – Die Rheinpfalz, 04. September 2012