Ankündigung:
Neujahrskonzerte 2019

Bodensee in Tönen und die virtuose Tuba

Neujahrskonzert des Kreisjugendsinfonieorchesters im Haus des Gastes in Bad Bergzabern

„Guten Abend, Gute Nacht” – mit Rosen bedacht wurden die jungen und jung gebliebenen Musizierenden von Landrätin Theresia Riedmaier nicht allein für die sogar vom kühlen Blech feinfühlig warme Interpretation des Brahms’schen Wiegenliedes als ergreifende Zugabe. Mit dem Konzert in Bad Bergzabern, mit dem der Landkreis Südliche Weinstraße traditionell jedes neue Jahr beginnt, hat sich das Kreisjugendsinfonieorchester der Südlichen Weinstraße im 33. Jahr der Ausführung am Freitag einmal mehr selbst übertroffen.

Hat sich beim Neujahrskonzert einmal mehr selbst übertroffen: das Kreisjugendsinfonieorchester unter Dietmar Wiedmann. (Foto: van)

Hat sich beim Neujahrskonzert einmal mehr selbst übertroffen: das Kreisjugendsinfonieorchester unter Dietmar Wiedmann. (Foto: van)

Mit der Wahl der Literatur boten Dirigent Dietmar Wiedmann und rund 30 Instrumentalisten aus der Kreismusikschule den Gästen der Landrätin vor dem Genuss der vorzüglichen Weine der Südlichen Weinstraße einen Ohrenschmaus aus der Sternenklasse der sinfonischen Bläsermusik.

In 20 Minuten den Bodensee beschreiben, mit allen Schönheiten, aber auch den Gewalten der Natur, die immer Herr über alle Geschöpfe sein wird, die facettenreiche Flora und Fauna, das Wasser, die Berge und alles in vielen Stimmungen vom Aufgang der Sonne bis in die tiefe Nacht, das hat der österreichische Komponist Thomas Doss als Auftragswerk geschaffen. „Panoptikum” heißt das Stück aus dem Jahr 2010, das am Freitag erst zum dritten Mal aufgeführt wurde. Mit den vielfältigen Klangmöglichkeiten mit, auf und aus jedem Instrument, Füße, Hände und Stimme der Ausführenden eingeschlossen, entfaltet sich sinfonische Harmonie und wird von ungewohnten Klangexperimenten begleitet und überwunden. Während der ebenso traditionellen Vorbereitungswoche im Sportheim Annweiler in den Weihnachtsferien hat Dietmar Wiedmann sein Ensemble auf die ständigen Wechsel von Tonart, Takt und Rhythmus bestens vorbereitet.

Doch der Auftraggeber wollte nicht allein seiner geliebten Heimat in stimmungsvollen Klangbildern ein Denkmal setzen, sondern auch seinem Lieblingsinstrument, der Tuba, gehuldigt wissen. Für diesen außergewöhnlichen Solopart konnte Dietmar Wiedmann im vergangenen Februar auf einem Musikfestival in Brasilien den Österreichischen Professor für Tuba am Salzburger Mozarteum gewinnen. Andreas Hofmeir ließ sich bitten, gab sich, dem Freund und dem Jugendorchester die Ehre und verzauberte am Freitag die große Menschenschar im Haus des Gastes mit der ungeahnten Klangvielfalt seines Instrumentes. Dass die Tuba viel mehr als einfache Basstöne und „Uffdada”-Rhythmusbegleitung kann, das demonstrierte der Solist schließlich als Zugabe in der atemraubenden Umsetzung einer Flötenfantasie nach Telemann. Dabei brillierte der Professor über die technisch perfekte Beherrschung seines Instrumentes hinaus mit feinfühlig differenzierter Dynamik und offenbar grenzenlosem Lungenvolumen.

Doch auch ohne den Stargast huldigten Wiedmann und sein Orchester der Klangvielfalt und schier grenzenlosen Möglichkeiten sinfonischer Bläsermusik. Charmant eingerahmt von Hintergrundinformationen durch die junge Flötistin im Orchester Eva Hoffmann, zog das Ensemble mit der musikalischen Umsetzung des Lebensweges der Zwillingsschwestern Sibylla und Helena das gesamte Publikum in seinem Bann.

Steven Reineke hat die dramatische Geschichte der Hexe und der Heiligen aus dem Jahr 1588 in Noten gefasst. Die „Schweigeminute” nach dem Freitod der Heiligen Helena in den Armen ihrer als Hexe zum Tod auf dem Scheiterhaufen verdammten Zwillingsschwester Sibylla vor dem Donner des verdienten Beifalls lobte Wiedmann als Kompliment an das Publikum: „Sie haben die Handlung verstanden”. Auch in der Umsetzung der vom Rhythmus aus dem imposanten Schlagwerkrefugium geprägten Musik von Hans Zimmer zum Militärfilm „The Rock” gelang es Wiedmann und seiner Truppe, das Publikum mitzunehmen auf die berüchtigte Gefängnisinsel Alcatras und mit den dorthin entführten Urlaubern bis zur Befreiung um das Leben zu bangen.

Mit der erheiternden Erinnerung an die turbulenten Kapriolen des unvergessenen Komikers Luis de Funès als „Rabbi Jacob” leitete das Orchester mit der Filmmusik von Vladimir Cosma, in der besonders schön die Klezmermusik in den Holzblasinstrumenten zur Geltung kamen, geselligen Teil des Abends ein.

(srs) Die Rheinpfalz, 16. Januar 2012