Ankündigung:
Auftritte 08./10. Juni 2018

Klänge bleiben in Gardinen hängen

Souveräne Leistung des Kreisjugendorchesters bei Neujahrsempfang geschmälert

Beim Neujahrsempfang der Landrätin im Haus des Gastes in Bad Bergzabern meisterte das Kreisjugendorchester den technisch anspruchsvollen „Königsweg“, den das sinfonische Blasorchester erstmals beim Jubiläumskonzert zu seinem 20. Geburtstag im vergangenen Oktober in der Landauer Festhalle beschritt, noch souveräner als beim ersten Mal.

Seit 19 Jahren macht Dietmar Wiedmann, Gründer und bis heute Chef von derzeit rund 80 Musikschülern im Alter von zwölf bis 27 Jahren, den politischen Jahreswechsel zu einem musikalischen Leckerbissen. (Foto: Thüring)

Seit 19 Jahren macht Dietmar Wiedmann, Gründer und bis heute Chef von derzeit rund 80 Musikschülern im Alter von zwölf bis 27 Jahren, den politischen Jahreswechsel zu einem musikalischen Leckerbissen. (Foto: Thüring)

Mit dem bunten Reigen durch die spanische Musiklandschaft samt orientalischen Einflüssen und lateinamerikanischen Paso Doble-Elementen, mit allen von Komponist Alfred Reed eingebauten rasanten Takt- und Tempowechseln und einem schönen Soloeinsatz von Oboist Stefan Zimmer, setzte die begeisternde Spielfreude der 60 jugendlichen Musiker dem Neujahrskonzert am Freitag ein feuriges Ende. „El Camino Real“ blieb allerdings die einzige Wiederholung im ansonsten neu erarbeiteten Programm, in dem vor allem moderne Filmmusiken zeitgenössischer Komponisten zu hören waren.

Seit 30 Jahren gibt es den Landkreis Südliche Weinstraße, seit 19 macht Dietmar Wiedmann, Gründer und bis heute Chef von derzeit rund 80 Musikschülern im Alter von zwölf bis 27 Jahren, den politischen Jahreswechsel zu einem musikalischen Leckerbissen. Auch am Freitag hielt der Dirigent die Zügel sicher in der Hand und feilte, ständig in Bewegung, mit vollem Körpereinsatz an der Darstellung der musikalischen Bilder: Mit deutlich auffordernder Handbewegung lockte er im lyrischen Teil des irisch-amerikanischen Kontrastes der Filmkomposition „Far and Away“ (In einem fernen Land) nach John Williams zur Herausarbeitung der keltischen Poetik die Klarinetten aus der Reserve. Im spannenden Drama um drohenden Giftgasalarm in der Bucht von San Francisco animierte er die Perkussionisten und das hohe Blech, mit den sprichwörtlichen „Pauken und Trompeten“ zum Angriff zu blasen. Und immer wieder leitete der Dirigent mit einem demonstrativen Hüpfer im letzten Takt die exakte Punktlandung des Orchesters ein.

In der ihm eigenen lockeren Art entledigte sich Wiedmann nach der Ansprache der Landrätin mit einer Bemerkung: „Es ist so warm hier“ seines Sakkos und wartete geduldig auf die „Freigabe“ zum Start in die flötenklirrende Eiseskälte der „Antarctica“ nach Carl Wittrock durch ein deutliches Handzeichen von Mischa Becker, das vom Publikum mit einem heiteren Lachen honoriert wurde. Aufgrund der engen Verhältnisse hatten die Schlagwerker ihre liebe Mühe beim Umbau ihres Instrumentariums. Die Bühnenvorhänge hinderten leider auch die Klangwolken in ihrer Entfaltung, indem sie die Schallwellen schluckten und nahmen den sonst Gänsehaut erregenden monumentalen Tutti-Passagen in der bläsermusikalischen Landschaftsmalerei die Spannung. Schade auch, dass das Bild der „Dimensionen“ des Blasorchesters nicht den vollen Glanz seiner Farben ausstrahlen konnte, weil auch die gefühlvoll dynamisch interpretierten und sauber ausgeführten Melodien der von Jan Seghers für Bläser arrangierten Komposition „Dimensions“ von Peter Graham förmlich im Gardinenstoff hängen blieben. Eine abwechslungsreiche Darstellung nach Derek Bourgeois hatte das Neujahrsonzert eröffnet.

Zum Stubenfeger ließ Wiedmann schließlich die Zügel fallen und das Orchester galoppierte mit Freude und Schwung auch ohne Führung taktsicher durch den Radetzki-Marsch.

In ihrer Neujahrsansprache ließ Landrätin Theresia Riedmaier keinen Zweifel an der Bedeutung der Förderung der musikalischen Jugendbildung im Landkreis: „Geld, das in die Kreismusikschule fließt, ist keine Subvention, sondern wertvolle Investition“, proklamierte die Landrätin. Klaus Wolf, seit der Gründung vor zehn Jahren Vorsitzender des Fördervereins des Kreisjugendorchesters, wurde von ihr mit der goldenen Wappennadel des Kreises SÜW für seinen unermüdlichen Einsatz geehrt.

(srs) Die Rheinpfalz, 14. Januar 2008