Ankündigung:
10. März 2018: Tag der offenen Tür Kreis-Musikschule SÜW

Hat man denn da noch Töne? Ja!

Neujahrskonzert des Landkreises Südliche Weinstraße im Haus des Gastes in Bad Bergzabern

Das Neujahrskonzert der Südlichen Weinstraße war so fulminant, jugendlich charmant und mitreißend, dass einem um die Zukunft des des Landkreises nicht bange sein muss. Denn welch besseres Omen könnte es geben, als die Tatsache, dass die Kreismusikschule, die gerade ihr 40-jähriges Bestehen feiert, ein Vierteljahrhundert nach der Gründung ihres überaus erfolgreichen Blasorchesters mit der Geburt eines zweiten Kindes, dem Kreisjugendsinfonieorchester, aufwartet? Hat man den da noch Töne?

Ja, die hatte man! Und zwar in Form donnernden Applauses und rauschenden Beifalls, der schon nach dem ersten Konzertteil auf die jugendlichen Musiker und ihren grandios aufspielenden Violoncello-Solisten Jonas Vischi (Karlsruhe) niederprasselt und all den Emotionen Bahn brach, die Dirigent Dietmar Wiedmann mit einem facettenreichen Werk von Friedrich Gulda sowohl bei den hoch motivierten Schülern des Kreisjugendorchesters als auch den begeisterten Zuhörern entfachte. Bläsertechnisch entschlackt, doch mit Saiteninstrumenten wie Bass und Gitarre unterfüttert und durch erfahrene Musiker bereichert, zeigte sich das KJO an diesem Abend von einer überraschend neuen Seite und lieferte einmal mehr den Beweis dafür, dass nicht nur die Musik im Allgemeinen, sondern auch ihre alltägliche Interpretation durch ständigen Wandel inspiriert und bereichert werden kann.

Das war auch das Motto des Pianisten, Komponisten und Quertreibers Friedrich Gulda, aus dessen Feder das geniale Konzert für Violoncello und Blasorchester stammt, das den Neujahrsempfang des Landkreises Südliche Weinstraße so ungestüm und übermütig eröffnete. In fünf furiosen Sätzen werden dabei auf atemberaubende Weise die scheinbar gegensätzlichsten Musikstile zusammengefügt und in ein harmonisches, gleichwohl spannungsgeladenes Gesamtgefüge gefasst. Klassik und Jazz, Romantik und Folklore werden da zu theatralischem Eigenleben erweckt und mit heißer Nadel – die vor allem das ekstatisch agierende Violoncello strickt – so lange weitergesponnen, bis sie ineinander vergehen. So verwandeln sich elegisch-liedhafte Melodien in expressive Tänze, orchestrale Klangfülle verhallt in sphärischen Lautmalereien und exotisch anmutende Trommelrhythmen kulminieren in der schunkelnden Gaudi deftiger Marschmusik. Keine Frage, dass die überschäumende Wiedergabe dieses Szenarios auch einen Superlativ in der bisherigen Arbeit des Kreisjugendorchesters markierte.

„Curtain up“ – Vorhang auf – hieß es dann für das Kreisjugendsinfonieorchester, das erst vor wenigen Monaten anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Kreismusikschule auf Initiative von Musikschulleiterin Cornelia Hoffmann aus der Taufe gehoben wurde und nun, ebenfalls unter den Fittichen Dietmar Wiedmanns, einen seiner ersten großen Auftritte absolvierte. Die mehr als 70 Schülerinnen und Schüler des vereinten Streich- und Blasorchesters fanden kaum Platz auf der Bühne, eroberten aber mit schwungvoll dargebotenen Film- und Musicalmelodien im Sturm die Herzen des Publikums.

Ganz besonders ihre spannende und lautmalerische, durch malerische Percussionselemente beförderte Interpretation der „Piraten der Karibik“ sowie die gefühlvolle Wiedergabe eines Arrangements von „Les Misérables“, der Christina Eckern als Gesangssolistin eine besondere Note gab, wiederspiegelte die Lust und Freude am gemeinsamen Musizieren. Kein Wunder, dass sich die Zuhörer eine Zugabe erklatschten und – noch mit den beschwingten Klängen von „Grease“ im Ohr und in den Beinen – ihr Glas mitsamt den guten Neujahrswünschen ganz besonders auch auf die musizierende Jugend des Landkreises erhoben.

(ttg) Die Rheinpfalz, 11. Januar 2010