Ankündigung:
10. März 2018: Tag der offenen Tür Kreis-Musikschule SÜW

Mitreißendes Musizieren

Das Kreisjugendorchester in klassisch sinfonischer Besetzung mit Streichern und Bläsern beim Neujahrsempfang des Landkreises SÜW in Bad Bergzabern

Landrätin Theresia Riedmaier hatte zum traditionellen Neujahrskonzert des Landkreises Südliche Weinstraße nach Bad Bergzabern eingeladen und alle kamen. Das Haus des Gastes konnte die Massen kaum fassen. Das Kreisjugendorchester machte den Abend mit einem anspruchsvollen Programm zu einem klangstarken und bunt schillernden musikalischen Glanzlicht.

War es in den vergangenen Jahren ein reines Blasorchester, das unter der Leitung von Dietmar Wiedmann musizierte, so war es jetzt das vor eineinhalb Jahren gegründete Kreisjugendorchester in klassisch sinfonischer Besetzung aus Streichern und Bläsern, gebildet aus Schülerinnen und Schülern der Kreismusikschule (Leiterin Cornelia Hoffmann), das wiederum der sprühend bewegliche Dirigent Wiedmann zu einem disziplinierten und leistungsintensiven Ensemble zusammengeschweißt hat. Diesen Riesenapparat mit über 60 Mitwirkenden zu lenken, zu motivieren, hat der hoch musikantische Dirigent einfach das richtige Händchen.

Zugegeben, das Verhältnis der eigentlich zu vielen, nicht immer sehr sensiblen Bläser zu den Streichern hatte schon so seine Tücken hinsichtlich Intonation und undurchsichtiger Kompaktheit, aber der Drive, die Freude der jungen Menschen auf der Bühne, Musik zu gestalten, wog manche Unstimmigkeiten auf, strömte mit Energie und zündete im Publikum stürmische Begeisterung.

Ein ungemein mitreißendes Stück stand am Anfang: „Finlandia“ von Jean Sibelius. Dieses patriotische Werk mit seiner Freiheitssymbolik wurde von den Blechbläsern mit aufschwellender Kraft eingeleitet, um in einen gesättigten Streicherklang einzufließen. Wechselnd zwischen hellen und dunklen Farben mit prägnantem Schlagwerk entstand eine voluminöse Steigerung.

Das erste Lampenfieber war nun gelöst und so gingen die Musikerinnen und Musiker das Stück von Brendan McBrien locker und klanggefällig an, meisterten die verzwickten Rhythmen und die sich ablösenden solistischen Einwürfe in farbiger Vielfalt. Melodien aus der berühmten „West Side Story“ von Leonard Bernstein wurden zu einem echten Knaller mit geschärften Klangballungen, lockerem Swingen, synkopischen Aufmischungen und fetzig nuanciertem Schlagwerk.

Immer sicherer präsentierten sich die jungen Instrumentalisten, als sie mit gestochener Rhythmik und kontrastreichen Gruppierungen dem wuchtigen „Fluch der Karibik“ bildhaften Ausdruck gaben. Wer die Musik zu „Der mit dem Wolf tanzt“ noch nicht kannte, wurde von dieser inhaltsreichen Filmmusik zwischen schreienden Dissonanzen und tänzerischem Schwelgen mitgerissen. Hierin wie auch in „Miss Saigon“ in fernöstlichem Kolorit spiegelten sich die vielfältigen Fähigkeiten des Orchesters. Es spielte alle Stimmungen, Farben, Rhythmen aussagekräftig heraus. Besondere Bedeutung verdienen der einheitliche Bogenstrich und die präzision der schlagenden Zunft, die Sicherheit im Wechsel von Themen und Tempi und überhaupt der musikalische Schwung, der das ganze Konzert durchzog. Eine wunderbare Zugabe war der Kanon von Pachelbel.

(imw) Die Rheinpfalz, 17. Januar 2011