Ankündigung:
Neujahrskonzerte 2019

Napoleon und die Arche Noah

Begeisterung für das Kreisjugendsinfonieorchester unter Dietmar Wiedmann beim SÜW-Neujahrskonzert

„Alle Jahre wieder“ wurde im Dezember gesungen, jetzt im Januar gab es, wie alle Jahre wieder, das Neujahrskonzert des Landkreises Südliche Weinstraße in Bad Bergzabern in Verbindung mit der Neujahrsansprache Landrätin Theresia Riedmaiers (wir berichteten). Wie beliebt dieses Ereignis ist, bezeugte der Publikumsansturm schon lange vor Beginn. Einige Besucher mussten sogar stehen, aber sie taten es gerne in Erwartung eines Konzertes von anspruchsvoller Qualität.

Wieder war es das Kreisjugendsinfonieorchester, das restlos begeisterte. Den Dirigenten und Leiter dieses vierzigköpfigen Ensembles, Dietmar Wiedmann, muss man wahrlich bewundern, wie er jedes Jahr neue Literatur findet, sie ausarbeitet und wirkungsvoll einstudiert.

Er durchleuchtet die Partituren in allen Stimmgruppen, so dass nie nur kompakte Blasmusik erklingt, sondern Ausdruck, Stimmungen und instrumentale Feinheiten zum Tragen kommen. Selbst das einzige Streichinstrument unter all den Bläsern, ein Cello, war durchaus zu vernehmen.

Zu bewundern sind auch das hohe Leistungsniveau, die Konzentration und die freudige Hingabe der jungen Musiker an ihre Musik. Die Präzision bei Takt- und Tempowechseln, bei extremen Forteausbrüchen könnte auch von einem Profiorchester nicht besser gemeistert werden. Das ebenso schwungvolle wie übersichtliche Dirigat von Dietmar Wiedmann Animation pur.

Das erste Stück „Hounds of Spring“ von Alfred Reed beschreibt die Liebe zwischen zwei jungen Menschen im Frühling. Da stürmten musikalisch im vollen Tutti die Gefühle enthusiastisch daher, wurden abgelöst von zärtlichen Empfindungen durch reiche Farbnuancen, mit gestoßener Artikulation, um wieder mit punktierten oder synkopischen Variante mit wirkungsvollem Schlagwerk auf zu blühen. Mit dem Concerto für Flöte und Orchester von Cecile Chaminade brillierte nicht nur die Flötistin Annika Poth (mehrfache Gewinnerin bei Jugend musiziert), sondern auch das Orchester, das mit Stimmungsbildern untermalte. Es begann mit dunkel warmen Bassethörnern, über denen sich die zarte Flötenmelodie erhob.

Naturschilderungen von Blumen und Vögeln wurden deutlich durch diffizile Verzierungen, Triller und Chromatik. Annika Poth begeisterte darin mit meisterhafter Technik, die aber immer von innerer Empfindung getragen wurde. Ihre schwierige Solokadenz wurde allen Anforderungen bravourös gerecht. Ein äußerst kontrastreiches Werk war „El Arca de Noé“ (Die Arche Noah) des Spaniers Oscar Navarro. Da konnte man die Verladung der unterschiedlichen Tiere, die Stürme auf dem Wasser klanglich miterleben. Das umfangreiche Schlagwerk, von der Pauke bis zur Triangel, war in sensationeller Aktion.

Jochen Schnepf, Mitglied des Blasorchesters an der Trompete, aber auch schon Student in Saarbrücken und Stuttgart, war der Solist in einem Concerto for Trumpet von Alexander Arutjunjan. Das Orchester meisterte seinen Part rhythmisch ausdrucksstark und fein nuanciert. Jochen Schnepf bewies sich an der Trompete äußerst versiert, überzeugte mit temporeichen Kapriolen, dynamischer Lebendigkeit und markanten Aufschwüngen in Perfektion. Das Letzte Stück des Programms war „Emperor“ von Thierry Deleruyelle. Hierin wurde mit viel Dramatik Aufstieg und Niederlage von Kaiser Napoleon gezeichnet. Ein farbiger Bilderbogen erstand vor den Ohren der Zuhörer. Man hörte die Grande Armee kraftvoll marschieren, Schlachtgetöse, Siegestaumel und Untergang. Die Schlagwerker hatten alle Hände voll zu tun.

Das Orchester musizierte mit ungebrochener Begeisterung und Präzision, die das Publikum zu brausendem Beifall hinriss. Man spürte immer die Freude der jungen Musiker am Spiel, die Freude des Dirigenten an seinem leistungsstarken Orchester und die Freude der Zuhörer.

(imw) Die Rheinpfalz, 13. Januar 2014